Newsletter 29.06.04

Liebe Freunde und Interessierte,

 
1.  Jahrestag, Donnerstag 1. Juli, pflanzen der Birken und Ebereschen, Andacht      
2. Dima -  Bericht der Pflegefamilie, Schulwechsel
 -  Stern TV 30.6. 22.30 RTL
3. Abreise der  Gastschüler, Besuch der Skyguide 
4. Schülerfestival Dank an Spender und für die Beiträge der Jugendlichen
5. ca. 20 baschkirische Jugendliche kommen vom 3. - 15. August an den Bodensee zum www.iyf2004.de  
6. Jahreshauptversammlung, Dank an die Mitglieder, Probleme der Nachsorge, bis heute fehlender Bericht
7. Einladung zum Kulturschiff 2004 auf der Wolga vom 30.8. bis 10.9. und  vom 10.9. bis 22.9.
 
1.  Am Donnerstag 1. Juli zum Jahrestag werden die aus Baschkirien mitgebrachten Bäume gepflanzt. Diese Bäume, die Birke - Berjosa und die Eberesche – Rybina in vielen russischen Liedern und Märchen besungen, bedeuten in Russland so viel, wie für uns Deutsche die Eiche und Linde. 71 Birken und Ebereschen werden als lebendes Zeichen der Erinnerung um die Gedenkstätte gepflanzt. Aus der Krisennachsorge ist  seit Jahren bekannt, daß die Beteiligung an einer Gedenkstätte am Ort des Unglückes für die Betroffenen jeder Nationalität sehr wichtig und hilfreich ist. Um 23 Uhr wird eine Andacht stattfinden (näheres in der Anlage "Mitteilung zum 2 Jahrestag.doc".siehe unten
 
2. Da aus den letzten Berichten noch ein unsicherer Nachklang herrscht ob Dima hier in Deutschland bleiben möchte und weil ein Schulwechsel nun nach den Sommerferien ansteht, hat die Pflegefamilie Martin einem letzten TV Auftritt zugestimmt. Am Mittwoch 30.6. wird diesmal auch Dima selbst zu Wort kommen bei Günther Jauch im Stern TV, RTL 22.30. (siehe Anlage "zu Dima von Frau Martin.doc). siehe unten!
 
3. Gerade erst richtig eingewöhnt haben am vergangenen Samstag Morgen 11 Gastschüler aus Baschkirien die weite Heimreise von Überlingen aus angetreten. Mit Bus uns Bahn werden sie bis Mittwoch unterwegs nach Ufa sein, Zeit genug, den zweieinhalb monatigen Aufenthalt am Bodensee Revue passieren zu lassen. Es waren ereignisreiche Tage, die die Schüler mit ihren Gastfamilien und an den Schulen unserer Region verbrachten. Dabei sei den Gasteltern ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen; wenn es auch nicht immer leicht war, so war es doch eine schöne Bereicherung mit einem neuen Familienmitglied auf Zeit.
Ein Besuch bei der Skyguide und dem Flughafen Zürich sowie dem Rheinfall in Schaffhausen war für alle Teilnehmer ein Erlebnis. Wir danken der Skyguide für diesen Besuch der nicht zuletzt auch uns Freundeskreismitglieder zum ersten mal die "andere Seite" wahrnehmen lies. Selbstkritisch wurden die begangenen Fehler angesprochen, aber es wurde auch deutlich, daß hinter dem sehr kühl operierendem Management, viele Mitarbeiter stehen, die die Ereignisse immer noch sehr belastet. Wir danken in diesem Zusammenhang auch dem Schweizer Konsulat in Stuttgart die dafür und für alle Hinterbliebene nun eine praktikable Visa Lösungen zumindest für dieses Jahr gefunden haben.

Wie im vergangenen Jahr und in diesem Sommer sollen auch in 2005 wieder jungen Menschen im Alter von etwa 14 – 16 Jahren die Gelegenheit gegeben werden, in der Zeit zwischen Ostern und dem Sommer für ca. 10 Wochen in einer Familie mit gleichzeitigem Schulbesuch unsere Sprache und unsere Kultur näher kennen zu lernen und zu erleben. Wer hier Interesse und die Möglichkeit hat, kann sich jederzeit beim „Freundeskreis Brücke nach Ufa“ melden.

4. Der Gastschülerbesuch diente ebenso der Verbesserung des gegenseitigen Verständnis und zum Knüpfen neuer Kontakte weit über unsere alltäglichen Grenzen hinaus, wie der Besuch von 44 Jugendlichen aus Baden-Württemberg, die über die Osterfeiertage an einem Jugend-Kunstfestival in Ufa teilgenommen haben. Ganz besonders möchten wir an dieser Stelle den Hauptsponsoren danken, die durch Ihre großzügige Spende die Teilnahme an dem  Jugendkunstfestival erst ermöglicht haben. Dies waren die Schule Schloss Salem, der Verein für Völkerverständigung Überlingen und die OEW Energie GmbH Ulm (jeweils € 1.000,-), die Skyguide mit € 5.400,- sowie der Spendenfond der Südkurieraktion, aus dem die Stadt Überlingen einen Betrag in Höhe von € 8.400,- zuwendete. Den vielen privaten Spendern und dem Luftsportclub Friedrichshafen sei an diese Stelle ebenfalls ganz herzlich gedankt. Auf unserer Homepage befindet sich ein Bericht dieses Festivals und Bilder dazu. Ein besonderer Dank sei hier nun auch einmal den 44 Jugendlichen ausgesprochen, für all ihre künstlerischen Beiträge und Anstrengungen die dazu erforderlich wahren. 

5. zum iyf, international youth forum lake constance vom 7.-14.08. www.iyf2004.de  an dem wie vor zwei Jahren wieder über 200 Jugendliche aus aller Welt erwartet werden, wird ebenso wie damals, wieder eine Gruppe der UNESCO Kommission Baschkortostans, ca. 20 Jugendliche, teilnehmen. Sie werden vom 3. bis 15. August in der Waldorfschule Überlingen untergebracht. Für Ideen und v.a. Mithelfe bei der Programmgestaltung und auch Finanzierung freuen wir uns über jeden Beitrag. Hierzu bitte wenden an: Nadja Wintermeyer, wintnadj@gmx.de ,07556-5362, od. Irina Schrettinger, Irina.Schrettinger@web.de , 07551-916794.
 
6. am Freitag 25. Juni  hat im DRK Überlingen unsere Jahreshauptversammlung stattgefunden. Nach dem Bericht über die Aktivitäten in 2003, welche Sie auf unserer Homepage unter Aktuelles Ausblick Chronik, finden, legte Frau Petschalina den Kassenbericht vor und wurde durch die Versammlung gelobt und entlastet. Vielen Dank für diese mühsame Arbeit! Es sind viele die durch ihr tun diese Brücken bauen, hier sei Katja Dahlinger mit Familie einmal hervorgehoben die durch ihr unermüdlichen Einsatz viele Kontakte zu den Hinterbliebenen hält und zuletzt zur Gedenkstätteneinweihung hier wieder so vielen Wünsche verwirklichend, organisierend im Hintergrund wirkte, nicht zuletzt hat sie zusammen mit Irina Petschalina das Jugendfestival Ost-West hauptsächlich ermöglicht, auch ein großen Dank an Markus Würmeling der hierbei ebenso mitwirkte und ist als Schriftführer und Vermittler immer da ist, Daniela Einsdorf gestaltet unermüdlich künstlerische Einblicke wie zuletzt die Fotoausstellung oder nun die Andacht zum Jahrestag, vielen Dank. Silvana Gürtler muss sich leider aus persönlichen Gründen zurückziehen, ihr sei herzlich gedankt selbstverständlich für den Einsatz in der Krisenintervention und v.a. hier im Freundeskreis für die humanitären Hilfen für die Kinderheime in Ufa, derselbe Dank geht dabei auch an Siggi Wehrle der hier weiter tätig sein wird und dabei auch ein Dank an das DRK Überlingen für die Bereitstellung der Räume, ebenso wie an das THW. Maria Martin ist zusammen mit ihrem Mann für Dima immer da, hält Kontakte zu vielen Hinterbliebenen und hilft immer wo sie kann, vielen Dank, auch Nadja Wintermeyer und Sergei Boikov sei gedankt für die oft spontanen Übersetzungen und anderen Hilfen. Ganz herzlichen Dank an alle Mithelfende und Initiative übernehmende!!!
Obwohl die Erfahrungen vieler großer Unglücke, mindestens seit der Flugkatastrophe von Ramstein, deutlich denn Sinn und die wichtige Bedeutung einer unabhängigen Nachsorge Stelle zeigen, welche die Vermittlung zwischen Betroffenen und den Behörden und anderer Stelle übernimmt wurde diese hier leider nicht eingerichtet. Oft standen wir schließlich in solch Vermitteltender Funktionen mit völlig neuen Aufgaben für uns, dabei fühlten wir uns hin und wieder auch wie "der Bote der für die Mitteilung erschossen wird" um das etwas überdeutlich darzustellen, es ist schon merkwürdig was für Dinge auftauchen. Ein Verständnis zu entwickeln nach allen Seiten kostet große Mühe, gerade bei den emotional so bewegenden Ereignissen. Eines währe jedoch noch anzumerken, fast auf jedem Kongress zur Krisenintervention und Nachsorge werden Berichte vom Zugunglück in Eschede vorgestellt, bis heute kein einziger über das Unglück am Bodensee. Es kann doch nicht sein, daß aus einem der größten Flugzeugunglücke in Deutschland niemand aus einer unabhängigen Untersuchung der Gesamtlage, Schlüsse für zukünftig besseren Umgang und Kommunikation zieht.
7.  Einladung zum Kulturschiff 2004, eine unvergessliche Reise auf der Wolga von Moskau ab am 30.8 bis Kazan an am 10.9. und von Kazan am 10.9. nach Astrachan bis am 22.9., näheres siehe Anlage, Veranstalter ist unser Dachverband die West-Ost Gesellschaft in Deutschland. 

8. Ein Hinweis auf eine sehr interessante Homepage: www.eurasischesmagazin.de  Hier findet sich auch ein Artikel mit dem Titel: Islam in Russland - Front im Kampf der Kulturen oder Ansatz für eine Alternative?  Beispielhaft für diese Alternative wir hier u.a. der Islam in Baschkirien genannt.

 Aus dem Editorial des eurasischen online Magazins   "Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts wären die Voraussetzungen dafür gegeben gewesen, einen Prozess des politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Austausches und Zusammenwachsens in Gang zu setzen. Doch das Interesse und die Bereitschaft in Westeuropa, den Blick über den Tellerrand zu heben und ihn bis an die Gestade des Pazifiks schweifen zu lassen, blieben enttäuschend gering. Osteuropa, Balkan und Kaukasus, Russland, China und Indien beschäftigen heute die Phantasie der Westeuropäer weniger als zu Zeiten Maos, Gandhis, Chruschtschows und Gorbatschows. In den Köpfen der Menschen bleibt der Kontinent gespalten."

 

Mitteilung / Einladung zum Gedenken am 2. Jahrestag des Flugzeugunglückes über dem Bodensee vom 01. Juli 2002

Mit der Einweihung der Gedenkstätte sind alle offiziellen Gedenkveranstaltungen abgeschlossen. Der Freundeskreis „Brücke nach Ufa“ bereitete deshalb in Zusammenarbeit mit der Schulgemeinschaft Brachenreuthe eine Gedenkfeier für den 2. Jahrestag des Flugzeugunglückes über dem Bodensee vor. Die Gedenkfeier gliedert sich in zwei Teile, von denen der erste sich an einen internen Kreis von besonders beteiligten Personen, hauptsächlich Mitglieder der verschiedenen Rettungseinheiten richtet.

Im Rahmen dieses Teiles sollen am Donnerstag 01. Juli ab 18.30 Uhr 71 Bäumchen (Birken und Ebereschen) von den Helferinnen und Helfern der Rettungseinheiten zum Gedenken an die Opfer des Flugzeugunglückes gepflanzt werden. Die Bäumchen wurden von den Angehörigen anlässlich der Einweihung der Gedenkstätte am 03. Mai 2004 aus ihrer Heimat mitgebracht. Das Pflanzen der Bäume wird von den Helferinnen und Helfern stellvertretend für die Angehörigen vorgenommen, dies war im Rahmen der Einweihungsfeier des Denkmals so abgesprochen worden. Das Geschehen wird fotografisch dokumentiert und die Bilder den Angehörigen übermittelt.

Nach der Beendigung der Pflanzaktion um ca. 20.00 Uhr wird ihnen in der Schulgemeinschaft Brachenreuthe ein Imbiss gereicht und es besteht die Möglichkeit an einem künstlerischen Abend teilzunehmen. 

Um 23.00 Uhr wird an der zentralen Gedenkstätte für das Flugzeugunglück vom 01. Juli 2002 eine Andacht stattfinden, zu der auch die Öffentlichkeit eingeladen ist. Im Rahmen der Andacht werden zum Zeitpunkt des Unglücks um 23.35 Uhr die Namen der 71 Opfer vorgelesen. Für die Opfer werden 71 Kerzen entzündet. Nach dem letzten Musikstück endet der Akt des Gedenkens.

Das Gedenken am Denkmal in Brachenreuthe schließt selbstverständlich die beiden verunglückten Piloten der Frachtmaschine sowie auch den Flugverkehrsleiter von Skyguide mit ein. Von Seiten der Angehörigen der russischen und baschkirischen Opfer werden nur vereinzelte Teilnehmer erwartet, da zum gleichen Zeitpunkt in Ufa eine große Gedenkfeier stattfindet.

 

 

"Dima, eine Geschichte, die das Leben schreibt, nur zugerne aufgegriffen von allerlei Medien, sinnvoll aber auch inzwischen unsinnig weitergesagt, fast schon ein Begriff...

Dima, ein Junge, mitten in seiner Pubertät, hin und hergerissen auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Auf der vorsichtigen Suche nach neuen Menschen in einem fremden Land in einer fremden Welt.

Nach einer unruhigen, für alle Beteiligten nicht einfachen Anfangszeit, die bis Ende letzten Jahres andauerte, hat das Kind wohl zu einer Antwort gefunden, die sein weiteres Dasein prägen sollte: „ Ja, ich möchte in Deutschland bleiben, für lange und länger!“

Was hat Dima gefunden? Er hat sein neues Zuhause, er hat eine bereits bestehende Familie noch kompletter gemacht, sein Platz ist etabliert inmitten seiner „Halb-Brüder“ David und Aljoscha. Selbstbewusst übernimmt er seine Rechte und Pflichten, um letztere wird manchmal gefeilscht, wie in jeder Familie!

Trotz vieler ungewöhnlicher Situationen ist Dima ein ganz normaler Junge geworden, der bislang nur wohlwollende Menschen kennengelernt hat. Sein Umfeld hat maßgeblich dazu beigetragen.

So konnte er relativ unbehelligt sein neues Leben hier beginnen, behütet in unserem überschaubaren Dorf, auch sehr gut untergebracht im College Salem in Hohenfels. Dort konnte er sein Deutsch so gut ausbauen, dass er nun fit ist für eine staatliche Schule.

Im April diesen Jahres konnte ein runder Tisch abgehalten werden, an welchem die Zukunft des Jungen besprochen wurde. Dabei waren auch die Tante ( Vormund des Kindes ) aus Russland, sein Rechtsanwalt aus Berlin, eine Vertreterin vom Jugendamt Friedrichshafen, der Vorstand vom Freundeskreis und wir als Gasteltern, jetzt Pflegeeltern. Aus verschiedenen berechtigten Gründen ist man einstimmig zur Erkenntnis gekommen, dass Dima die Schule wechseln sollte. Ein wichtiger Aspekt war z.B. einer sprachlichen Überforderung vorzubeugen, denn in Hohenfels wäre eine zusätzliche Fremdsprache hinzugekommen. Um jetzt seiner beruflichen Idee - Dima will nämlich Pilot werden - vorzugreifen, muss er für die Ausbildung bei der Lufthansa ein Fachabitur eines Technischen Gymnasiums mitbringen. Mit dem nun eingeschlagenen Schulweg sind die Voraussetzungen dazu geschaffen.

Es war nicht einfach dieses „Unternehmen Dima". So musste für diesen Schulwechsel das Okay vom Regierungspräsidium eingeholt werden. Eine von inzwischen mehreren Begebenheiten ( manche nennen es Zufall, manche nennen es „Kismet“ ), die durch bestens passende Zusammenhänge , auf die ich nicht näher eingehen möchte, dieses Okay zutage gefördert haben. Es war wiederum eine spannende Zeit, bei Nichterfolg hätte im schlimmsten Fall der Junge zurück nach Russland gehen müssen. Undenkbar!!!

So bekamen wir in dieser unsicheren Lage das Angebot von Stern TV. Jeder kennt ihn: Günther Jauch, er hat uns seine persönliche Unterstützung zugesagt - im Falle eines negativen Bescheids.

Dima, nicht nur ein Wort, nicht nur ein Name, eine Geschichte, die sich selbst schreibt. Aufgegriffen von vielen Medien wie eben beschrieben, manchmal sinnvoll, wie beispielsweise auch in Form von Spendenaufrufen in seriösen Printmedien, bevor der Junge nach Deutschland kommen konnte, manchmal aber auch lästig und unsinnig, wie in der so genannten Yellow-Press.

So werden wir mit Günther Jauch das Thema Medien abschließen. Danach müssen die Töne um Dima wieder leise werden.

Dima wird hier ein „ganz normales“ Leben führen, „ganz normale“ Freundschaften schließen, „ganz normal“ erwachsen werden dürfen und ganz in Ruhe noch Kind sein dürfen...

In diesem Sinne

Ihre Dorothea Martin "  22.6.04