Newsletter 10.5.04

Liebe Freunde und Interessierte,

2. "Begegnung der Menschen, Begegnung der Herzen"

1. Noch bis So 16.Mai 04 Fottoaustellung im Museumssaal Überlingen zu Baschkirien, unter unserem Motto.

2. Zum Aufenthalt unserer baschkirischen Freunde vom 2. bis 3. Mai 04.

3. Pressebericht aus Baschkirien zum internationalen Jugendfestival "Ost-West" in Ufa und Dank an die Spender.

4 . Besuch einer Gruppe junger Ökonomen aus Russland am Bodensee

5. Die Jahreshauptversammlung findet erst am Freitag 25. Juni 20 Uhr im DRK Überlingen statt.

1. Fotoausstellung „Begegnung der Menschen, Begegnung der Herzen“ Unter diesem Thema findet eine Fotoausstellung von dem in Russland sehr bekannten Fotografen, Ramil Kilmamatov, statt. Auf unsere Anfrage gab die baschkirische Regierung den Auftrag zu dieser Ausstellung, die dank der Stadt Überlingen nun vom Sa, 08.05. bis So, 16.05.2004 im Museumssaal, Krummebergstraße 30, zu besichtigen ist (Di-Sa 9-12.30 und 14-17 Uhr, So 10-15 Uhr). (Plakat im Anhang)

Von Anfang an der Flugzeugkatastrophe am 01. Juli 2002 hat Ramil Kilmamatov mit Kamera und Herz die Angehörigen der Verunglückten begleitet und viele bewegende Szenen festgehalten. Die baschkirische Kultur, das Land aus dem ein Großteil der Verunglückten gekommen sind, ist ebenfalls in wunderschönen Aufnahmen zu sehen. Eine Ausstellung, die der Bevölkerung die Möglichkeit gibt, den baschkirischen Menschen und deren Kultur etwas näher zu kommen. Der Eintritt ist frei!

2. Nach der Ankunft am So. 2.Mai wurde es eng beim Abendessen im Freizeitheim Lindenwiese in Überlingen-Bambergen. Aus Baschkirien kamen wie vorgesehen ca. 70 Hinterbliebene und Regierungsvertreter, da wenig Zeit blieb, kamen auch viele Freunde unseres Kreises dazu, z.T. von den Hinterbliebenen selbst angerufen. Bis um vier Uhr saß man noch in kleiner Runde. Schon früh um 7 waren viele wieder zusammen. Die Angehörigen wollten gerne die Orte aufsuchen, wo ihre liebsten Aufgefunden wurden. So ging man wieder über Wiesen, Felder oder in den Wald - wo war er genau der Ort. Mit Fotos und Karte, wenn nicht bereits markiert, war es unter umständen ein schwieriges suchen - ja hier sind die gepflanzten Rosen - Tränen brachen bei den Hinterbliebenen und uns hervor. Viel wurde gesagt in den Reden über die Tragik, welcher hinter diesen Begegnungen steht, sie ist unfassbar und unfassbar scheint auch gerade hier die entstandene Freundschaft oder Nähe die auch Freude entstehen lässt. Um 11 Uhr begann die offizielle Einweihung der Gedenkstätte, anschließend ein Empfang in Brachenreuthe, die Fotoausstellungseröffnung und schließlich fand das vorläufige pflanzen der mitgebrachten 71 Bäumchen statt (angefügt ist hierzu ein kurzer Bericht der diesen wichtigen Moment beschreibt). Am Abend um 18 Uhr fliegen alle schon wieder zurück. "Großen Dank für den herzlichen und warmen Empfang. Alle Eltern sind sehr zufrieden und dankbar." heißt es in einer Email die uns erreicht, ebenso wie in einigen Gesprächen. Zum Jahrestag werden wieder einige Hinterbliebene kommen.

3. Wie bereits kurz berichtet war das internationale Schülerfestival "Ost-West" in Ufa ein voller Erfolg. Prof. Degtjarov brachte aus Ufa einige Bilder und bereits übersetzte Presseartikel mit, die einen sehr schönen Eindruck von dem Festival vermitteln (siehe Anlage, Bilder siehe Homepage). Da wir alle jedoch noch sehr eingespannt sind in Arbeit, wird ein Bericht, ebenso wie ein abschließender Presseartikel demnächst folgen und auf unserer Homepage veröffentlicht. Wir möchten uns jedoch schon hier ganz herzlich bei der Skyguide, swiss air navigation services ltd bedanken. Sie übernahmen kurzfristig, die bis kurz vor Abreise offene Kalkulationslücke von knapp 5400,- Euro. Sehr herzlich bedanken wir uns auch bei dem Verein für Völkerverständigung aus Überlingen und der Schule Schloss Salem für je 1000,- Euro Zuschuss, ohne die wir vielleicht doch noch die Reise aufgegeben hätten, bei der Sparkasse Bodensee und der Firma Dornier sowie bei allen privaten Spendern. Ein ganz, ganz, herzlichen Dank! Innerhalb einer Woche sind hier so intensive Eindrücke entstanden, daß auch hier wieder Brücken geschlagen wurden und Freundschaften entstanden sind, so auch unter den Mitfahrern die alle schon auf der Rückfahrt so schnell wie möglich auf ein Nachtreffen drängten. Das Festival in Ufa "Ost-West" mit seinen lebendigen Beiträgen, zeigte u.a., daß in allen Kindern ein Talent ruht und es nur an uns Erwachsenen liegt dieses zu wecken, daß ein wirklich zukunftsweisendes, künstlerisches Potential da ist und für uns Deutsche wurde erlebbar, welch starke Aufbruchstimmung gerade in Baschkortostan lebt, die auch uns ergreifen kann.

4. Am So 2.5.04 zwischen 14 und 17 Uhr konnten wir 25 junge Ökonomen aus Jekaterinburg, Tomsk und Moskau sowie Mitstreiter des Dialog e.V. Tübingen, Vereinigung junger Ökonomen aus Deutschland und Russland www.dialog-ev.org <http://www.dialog-ev.org> , auf ihrem Bodensee Kulturtrip begleiten und mit Kulturtipps unterstützten. Sie waren für 10 Tage in Deutschland, besuchten verschiedenste Firmen und veranstalteten ein Kongress am vergangenen Wochenden in Tübingen über die Finanzbeziehungen zwischen Deutschland und Russland. (Bild entstand vor Birnau)

5. Die Jahreshauptversammlung findet erst am Freitag 25. Juni 20 Uhr im DRK Überlingen statt. Wer sich engagieren möchte ist immer herzlich willkommen, es könnten viele weitere sehr interessante Projekte entstehen. Russland und Baschkortostan ist ein pulsierendes, zukünftig sehr starkes Land mit ungeheuren Entwicklungskräften. Impulse gegen unsere Stagnation und unsere immer deutlicher werdenden Rezession. Wir suchen z.B. dringend OrganisatorInnen für die Jugend- Studentenbegegnung im Juli/August.

Birken und Ebereschen

 „Eine kleine Birke für meinen Sohn und eine Eberesche für mein Enkelkind“

Behutsam nimmt eine ältere Frau zwei Bäumchen aus dem Korb.

71 Pflänzchen haben die Angehörigen des Flugzeugunglücks aus Ufa zur Denkmalseinweihung mitgebracht. Bis der endgültige Standort gefunden ist, pflanzen sie sie hier in Brachenreuthe in vorbereitete Töpfe.

Kräftige Männer knien im Anzug am Boden und greifen gerne mit beiden Händen in die Erde. Sorgsam werden die Pflanzen in die Erde gesetzt.

Wie kleine, zarte Kinder. „Dieser Baum ist für meinen Arthur und dieser für Katja“. Auf die vorbereiteten Schilder schreiben sie die Namen und binden sie fest. Wie wichtig sind sie, die Namen, die die Pflanzen aus der Anonymität herausholen.

 „Für die Familie Kalojew habe ich auch die Bäume gepflanzt“, sagt eine junge Frau zu mir, „da der Vater ja nicht da sein kann“!

Jetzt, nachdem der offizielle Teil der Denkmalseinweihung vorbei ist, die Reden beendet sind, können diese Menschen endlich selbst etwas tun.

Sie können dies im Namen ihrer Verstorbenen tun.

Viele sind plötzlich freier, lassen sich das Gießwasser über die Hände laufen, knien am Boden, legen die Hände auf den Topf mit den Bäumchen und manche können weinen. Man kann Aufatmen.

Erde, Wasser die Pflanzen—das tut gut und heilt.

Immer wieder greifen sie in den Korb-„ für meine zwei Kinder , für meine Frau“. Es sticht ins Herz, das zu hören, aber ich erlebe auch welche Erleichterung durch dieses gemeinsame Pflanzen entsteht.

Das Pflanzen der Bäumchen- ein kleiner Schritt weiter zur Bewältigung des Schmerzes. Ein kleines Stückchen lebendige Zukunft!

„Ihr pflegt sie doch“, frägt mich eine besorgte Mutter. „Sicher, sicher“ sage ich, und spüre die Verantwortung.

Liebevoll verabschiedet sich ein Mann mit großen Händen von seiner kleinen Birke und streicht darüber. „Paka, bis zum nächsten Mal“!

Hoffentlich wachsen und gedeihen sie gut die baschkierischen Ebereschen und Birken in unserer deutschen Erde!

Daniela Einsdorf