Dima´s neue, hoffnungsvolle Zukunft

Stand dieser Seite 08.07.04

Dima mit seiner Mutter in Ufa Feb. 1996

Beim Aufenthalt zur Gedenkstätteneinweihung: von links, Viktor Petschalin aus dem Freundeskreis, Valodja Savtschuk, Vater der Frau und zwei Kinder verlor, sein Sohn war in der selben Schule wie Dima. Valodja hatte uns ganz zu Anfang auf Dimas Schicksal aufmerksam gemacht, und Dima Bagin.

Die Ankunft am 6.9.03

Bild: Weihnachtsfeier Freundeskreis am 10.12.03

Dima in seinem Zimmer mit seiner neuen Familie am Bodensee.

Juni 12 - Aktuelles zu Dima Bagin: Er ist momentan in einer Prüfungsphase seiner Ausbildung zum Fluggerätemechaniker bei der Lufthansa in München. Mit 22 Jahren wird er diese im Spätsommer abgeschlossen haben. Parallel hat Dima gerade die 1. Lizenz des dreistufigen Pilotenscheines erhalten. Er darf somit nun zum 10. Jahrestag bereits selbst einmotorige Flugzeuge fliegen. Gerade vor wenigen Tagen kam er auch wieder frohgemut aus Ufa zurück, so ist er immer wieder unterwegs zwischen Russland und Deutschland. Wir freuen uns und gratulieren ihm zu dem ersten Abschnitt des Pilotseins!

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Dimitrii Alexandrowitsch Bagin geb. 29.10.1990 hat bei dem Flugzeugunglück vom 1.7.2002 seine Mutter verloren, seinen Vater lernte er nie kennen. Seine Großmutter, bei der er dann lebte, starb am 28.1.03. Er lebte daraufhin in der Familie des Bruders seiner Mutter. Dessen Frau wurde das Sorgerecht für Dima übertragen. Er hat sonnst nur noch entfernte Verwandte. Da diese Familie sehr arm ist und ihnen die Bildung für diesen begabten Jungen die wichtigste Aufgabe ist, baten sie unseren Freundeskreis um Hilfe. In Russland könnten sie ihn nur, weit entfernt von Ufa in eine Kadettenschule geben, hart und mit militärischem Drill, eine Laufbahn in der Armee vorzeichnend, die sie und Dima nicht wollen.

Juni 04: "Dima, eine Geschichte, die das Leben schreibt, nur zugerne aufgegriffen von allerlei Medien, sinnvoll aber auch inzwischen unsinnig weitergesagt, fast schon ein Begriff...  Dima, ein Junge, mitten in seiner Pubertät, hin und hergerissen auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Auf der vorsichtigen Suche nach neuen Menschen in einem fremden Land in einer fremden Welt. Nach einer unruhigen, für alle Beteiligten nicht einfachen Anfangszeit, die bis Ende letzten Jahres andauerte, hat das Kind wohl zu einer Antwort gefunden, die sein weiteres Dasein prägen sollte: „ Ja, ich möchte in Deutschland bleiben, für lange und länger!“ Was hat Dima gefunden? Er hat sein neues Zuhause, er hat eine bereits bestehende Familie noch kompletter gemacht, sein Platz ist etabliert inmitten seiner „Halb-Brüder“ David und Aljoscha. Selbstbewusst übernimmt er seine Rechte und Pflichten, um letztere wird manchmal gefeilscht, wie in jeder Familie! Trotz vieler ungewöhnlicher Situationen ist Dima ein ganz normaler Junge geworden, der bislang nur wohlwollende Menschen kennengelernt hat. Sein Umfeld hat maßgeblich dazu beigetragen. So konnte er relativ unbehelligt sein neues Leben hier beginnen, behütet in unserem überschaubaren Dorf, auch sehr gut untergebracht im College Salem in Hohenfels. Dort konnte er sein Deutsch so gut ausbauen, dass er nun fit ist für eine staatliche Schule. Im April diesen Jahres konnte ein runder Tisch abgehalten werden, an welchem die Zukunft des Jungen besprochen wurde. Dabei waren auch die Tante ( Vormund des Kindes ) aus Russland, sein Rechtsanwalt aus Berlin, eine Vertreterin vom Jugendamt Friedrichshafen, der Vorstand vom Freundeskreis und wir als Gasteltern, jetzt Pflegeeltern. Aus verschiedenen berechtigten Gründen ist man einstimmig zur Erkenntnis gekommen, dass Dima die Schule wechseln sollte. Ein wichtiger Aspekt war z.B. einer sprachlichen Überforderung vorzubeugen, denn in Hohenfels wäre eine zusätzliche Fremdsprache hinzugekommen. Um jetzt seiner beruflichen Idee - Dima will nämlich Pilot werden - vorzugreifen, muss er für die Ausbildung bei der Lufthansa ein Fachabitur eines Technischen Gymnasiums mitbringen. Mit dem nun eingeschlagenen Schulweg sind die Voraussetzungen dazu geschaffen. Es war nicht einfach dieses „Unternehmen Dima". So musste für diesen Schulwechsel das Okay vom Regierungspräsidium eingeholt werden. Eine von inzwischen mehreren Begebenheiten ( manche nennen es Zufall, manche nennen es „Kismet“ ), die durch bestens passende Zusammenhänge , auf die ich nicht näher eingehen möchte, dieses Okay zutage gefördert haben. Es war wiederum eine spannende Zeit, bei Nichterfolg hätte im schlimmsten Fall der Junge zurück nach Russland gehen müssen. Undenkbar!!! So bekamen wir in dieser unsicheren Lage das Angebot von Stern TV. Jeder kennt ihn: Günther Jauch, er hat uns seine persönliche Unterstützung zugesagt - im Falle eines negativen Bescheids. Dima, nicht nur ein Wort, nicht nur ein Name, eine Geschichte, die sich selbst schreibt. Aufgegriffen von vielen Medien wie eben beschrieben, manchmal sinnvoll, wie beispielsweise auch in Form von Spendenaufrufen in seriösen Printmedien, bevor der Junge nach Deutschland kommen konnte, manchmal aber auch lästig und unsinnig, wie in der so genannten Yellow-Press. So werden wir mit Günther Jauch das Thema Medien abschließen. Danach müssen die Töne um Dima wieder leise werden. Dima wird hier ein „ganz normales“ Leben führen, „ganz normale“ Freundschaften schließen, „ganz normal“ erwachsen werden dürfen und ganz in Ruhe noch Kind sein dürfen...   In diesem Sinne       Ihre Dorothea Martin  "

April 04: Die Tante und der Vormund von Dimitri Bagin, dem durch das Flugzeugunglück zum Waisen gewordenen 13 jährigen Jungen, der jetzt in Owingen-Hohenbodman bei Familie Martin wohnt, konnte über Ostern eine Woche bei Martins verbringen. Gemeinsam mit dem Anwalt der Tante und durch Mithilfe des Kreisjugendamtes konnte nun eine Pflegevereinbarung getroffen werden, welche die rechtliche Situation der Pflegefamilie Martin klärte. Als Polizist erhielt Reinhard Martin durch das Regierungspräsidium eine Ehrung für sein menschliches Engagement. Herr Wicker, Regierungspräsident, sprach eine Zusicherung aus, daß Dima eine  Sonderaufenthaltsrecht aus humanitären Gründen zugesprochen wird.

Dank der großen Anteilnahme von vielen Menschen durch Spenden und Bürgschaften konnten wir Dima einladen, sodass er zum Schulbeginn am 10.9.03 hier sein kann. Das dies gelang war der Schule und uns auch für Dima wichtig. Nach Rücksprache und Bitte an alle Beteiligten in der Entschädigungsfrage waren es nur die Anwälte der Hinterbliebenen die durch Bürgschaften Dima unterstützten.  Die deutsche Botschaft stellte kostenlos ein Visum aus und so kam Dima am 6.9.03  in München am Flughafen an, wo wir ihn freudig erwarteten. Er hatte auf der Fahrt aus Ufa, dem Aufenthalt in Moskau zur Erledigung aller Formalitäten und dem Flug hier her immer die Hilfe und Begleitung von zwei Schülern aus Ufa, welche ebenso zum Schulbeginn nach Salem reisten.

Dima lebt nun am Bodensee, in seiner neuen Familie und besucht die 6. Klasse der Schule Schloss Salem in Hohenfels.

 

 Bericht zu Dimas ersten Monaten in Deutschland

Wir danken Ihnen herzlich für jegliche Unterstützung, Ihre Spende. Nach einem „Kulturschock“ den Dima durchstehen musste sieht die Situation nun recht positiv aus und beginnt sich was seine Perspektiven betrifft zu klären. Eine Entschädigung ist bezahlt und wird treuhänderisch durch seinen Anwalt van Schyndel, Berlin verwaltet. Seine Tante und Vormund setzt sich sehr für eine bestmögliche Ausbildung für Ihn ein und hofft, dass Dima in Deutschland bleiben kann. An der Schule fühlt Dima sich wohl und muss lernen etwas mehr Engagement zu zeigen. Aus unserem Freundeskreis kümmern sich auch Lanzleute um ihn, sodass er beste Hilfe im durchstehen des Heimwehs hat. Er hat tatsächlich die genau richtige Familie gefunden und möchte gerne in Deutschland bleiben.

Die Gasteltern Dorothea und Reinhard Martin schreiben: „Inzwischen sind nun drei Monate des Zusammenlebens vergangen, unsere Kinder David (16 Jahre alt) und Aljoscha (14 Jahre alt) haben Dima von Anfang an ins Herz geschlossen, wo er anscheinend auch schon seinen festen Platz bekommen hat. Dima ist ein aufgeweckter, intelligenter, liebenswürdiger Junge, er kann aber auch manchmal launisch und bisweilen stur sein. Er ist teilweise seinem Alter voraus, einen Teil seiner kindlichen Natürlichkeit hat er wohl in seinem Leben schon eingebüßt. Gerade in diesem Punkt leisten die beiden „Halb-Brüder“ David und Aljoscha hervorragende Arbeit, sie wecken in Dima das Kind wieder auf...  Auch oder gerade wir als (Gast)~Pflegeeltern haben die Aufgabe wahrgenommen, der Junge muss nicht nur eingekleidet und ernährt werden, sondern – er ist 13 Jahre alt – auch erzogen werden. So haben wir mit Dima nicht immer reibungslose Zeiten, wir denken und spüren jedoch unsere Kraft wird ausreichen, auch aus Dima „etwas zu machen“. Was Dima´s schulische Situation betrifft gibt es folgendes zu sagen: Der Junge besucht als externer Schüler das Salem College in Hohenfels (nahe Überlingen). Das laufende Schuljahr ist mit Spendengeldern abgedeckt. Die folgenden Schuljahre streben wir zumindest ein Teil-Stipendium dort an, vorrausgesetzt der Junge bringt die erforderliche Leistung. Alternativ müssen wir uns gegebenenfalls nach anderen schulischen Lösungen umsehen. Die Kostenfrage wird immer eine Rolle spielen, zumal bereits absehbar ist, dass bereits ausgelöste Entschädigungszahlungen für die komplette Ausbildung des Knaben nicht ausreichen werden.“

Das schulisch wichtigste für Dima ist das Erlernen der deutschen und englischen Sprache. Hier erhält er ja in Deutsch wöchentlich Intensivunterricht. Seine Deutschlehrerin Frau Klause schreibt folgendes: „Dima hat seine anfängliche Zurückhaltung und Scheu schnell verloren. Die persönliche Betreuung in einer Zweiergruppe ermöglicht ihm, sich behutsam an den Alltag auf dem Hohenfels einerseits und das deutsche Schulsystem andererseits zu gewöhnen. Dima macht psychisch einen sehr stabilen Eindruck - er ist fröhlich und aufgeschlossen und findet mittlerweile, da er sich immer besser auf Deutsch unterhalten kann, Anschluss an seine Mitschüler/innen. Die ersten Schritte zur Integration ist Dima erfolgreich gegangen; nun gilt es, seine Deutschkenntnisse zu intensivieren und Tempo und Arbeitsanforderungen zu steigern. In dieser Hinsicht gibt es für Dima noch einiges zu tun. Ich denke aber, dass Dima mit der Unterstützung, die ihm von vielen Seiten zuteil wird, auch diese Hürde nehmen wird.“

Seine Englischlehrerin Frau Ohlig ergänzt: „Nach anfänglicher - verständlicher - Zurückhaltung beteiligt sich Dima jetzt auch ohne Aufforderung am Unterricht und bringt sich ein. Er kann sich ausdrücken, macht aber noch viele Fehler. Ich finde seine Leistungen beachtlich: Ich erkläre neue Grammatik zum Teil auf Deutsch, damit die deutschen Kinder alles verstehen und kann aus Zeitgründen für Dima nur kurz übersetzen. Dennoch versucht er zu folgen und das gelingt ihm auch oft. …. Allerdings hätte ich auch nichts gegen noch heftigeren Arbeitseinsatz. Insgesamt bin ich mit Dima zufrieden und finde, dass er viel lockerer und freier geworden ist. Manchmal macht er schon ein Witzchen, das gefällt mir gut.“

Herr Niederhofer, Geschäftsführer der Schule Schloss Salem schreibt zu Dimas Perspektive folgendes: „Die Beurteilung der Lehrerinnen seiner derzeit wichtigsten Fächer sind somit positiv. Trotzdem ist es für den Jungen natürlich schwer sich in so kurzer Zeit an alles Neue zu gewöhnen. Gewisse Fertigkeiten müssen ihm noch beigebracht werden, es muss sich bei ihm vor allem der Wille entfalten, sich diese aneignen zu wollen. So wird auf dem Hohenfels das eigenverantwortliche Arbeiten der Schüler erwartet und sehr gefördert und dies beherrscht er noch nicht. Hier muss Dima lernen, dass ihm hier nicht alles vorgebetet wird und mit Autorität Arbeiten abverlangt wird. Er soll sich hier mit Neugier und mit Anstrengungsbereitschaft selber Lerninhalte erschließen, die ihn anfangs vielleicht nicht so sehr interessieren. Nur so kann Dima den immer höheren Leistungsanforderungen des baden-württembergischen Gymnasiums gerecht werden. Wir wollten den Jungen aber nach dem schweren letzten Jahr auch nicht überfordern. Deshalb wird man sicherlich erst am Ende des Schuljahres genaue Prognosen abgeben können. … Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Pflegefamilie Martin für den Jungen ein absoluter Glücksfall ist. Mit großer Fürsorge, aber auch der nötigen Konsequenz begleitet man den Jungen hier auf seinem Weg“ 

Wir sind sehr froh Dima einen guten neuen Lebensweg angeboten zu haben und sind sehr zuversichtlich, eine Perspektive bis zum Abschluss einer Berufsausbildung finden zu können. Dies können wir gerade auch durch die breite Unterstützung von Spendern und Bürgen sagen. Sollte Dima sich doch noch schulisch so einbringen können, dass er ein Stipendium bekäme, könnte er die Schule Schloss Salem weiterhin besuchen und hätte für seine Berufsausbildung weitere Mittel aus der Entschädigungszahlung übrig. Gelingt dies nicht müssen wir einen Schulwechsel vornehmen sobald er ausreichend Deutsch spricht und auf weitere Unterstützung hoffen.

 

 Zum Schulbeginn in Hohenfels der Unterstufe der Schule Schloss Salem am Mittwoch 10.9.03  ist alles gerichtet. Dima muss nun erst einmal Deutsch lernen. Das war der Hauptgrund weshalb Dima die Schule Schloss Salem besucht, denn hier hat man viel Erfahrung und die Möglichkeit eines solchen Intensivunterrichtes. Es war auch die einzig praktikable Lösung hier im Umkreis. Die Mutter Dimas hatte selbst noch über ihre Pensionsmöglichkeit hinaus gearbeitet um ihrem Jungen eine so gut als ihr irgend mögliche  Ausbildung zu gewähren, die Bildung lag Ihr immer sehr am Herzen. Mit der Schule Schloss Salem konnten wir auch diesem Willen nachkommen.

Dima hatte bereits seit 5 Jahre englisch Unterricht. In der Gastfamilie und der Schule muss er nun erst einmal damit zurecht kommen. Am Englisch, Kunst, Sport Unterricht wird er in seiner Klasse teilnehmen, die anderen Fächer werden in den Einzel, bzw. Kleingruppenunterricht in Deutsch integriert. Etwa ein Jahr wird er diesen Unterricht benötigen. Hier an der Schule ist auch die Möglichkeit einer schulpsychologischen Betreuung gegeben, falls er dies bedarf. Russisch wird er auch sprechen können mit ein paar Mitschülern, eine davon hatte ihn gleich am ersten Besuch durch die Schule geführt.

Als Externer Schüler ist er von 7:30 bis ca.18 Uhr in der Schule und die übrige Zeit in der Familie, ebenso in den Ferien. Dima selbst hatte den Wunsch geäußert in einer Familie zu leben und das schien uns auch erst einmal das Beste in seiner Situation.

Beim 1. Vorstellungsgespräch am 4.7.03 in Salem/Hohenfels. Von Links: Tatjana Bagina, Dimas Vormund, Nadja Dolmetscherin Freundeskreis, Dima und Frau Halbauer Leiterin der Unterstufe.

An Dorfbrunnen von Hohenbodmann/Owingen

 Vor einer der ältesten Linden in Deutschland

 Dima lebt nun in einem kleinen sehr schön gelegenen Örtchen in Hohenbodmann/Owingen ca. 10 Kilometer im Hinterland von Überlingen und dem Bodensee.

 In seinem neuen Zuhause angekommen wurde er von seinen neuen Brüdern, Aljoscha 14 und David 16 in Empfang genommen, sie zeigten ihm erst einmal sein Zimmer und das ganze Haus. Dann ging es auch gleich mit anderen Jugendlichen den Ort erkunden, zum Dorfbrunnen und  natürlich auch zur ältesten Linde Deutschlands die gerade auch hier mitten im Dorf steht.

Dima freut sich sehr nun hier sein zu dürfen, er dankt allen Spendern und Bürgen herzlich dafür, dass er diese Chance bekam! Mit seinen neuen Brüdern scheint er sich sehr gut zu verstehen, gleich ist er auch unter den anderen Jugendlichen im Dorf.

David hatte für die Mittlerereife das Buch von Siegfried Lenz "Arnes Nachlass" durchgearbeitet. Die ganze Familie hat es nun gelesen, denn darin geht es um einen 12 jährigen Jungen, der Vollwaise geworden war und in eine Familie kommt. Mit allem Kummer, allem Glück, das die Geschichte mit sich bringt. Das Buch hat kein gutes Ende, doch hier sind alle nun fest entschlossen: für Dima wird es anders laufen.

Vor einem Jahr hatte die Familie von Ihrem Haus aus das Unglück beobachtet, Reinhard der Gastvater war auch gleich am Unglücksort. Als Kriminalbeamter war er im Einsatz und musste  Dima´s Mutter bergen. Beim Jahrestag führte Ihn das zu der Begegnung mit Dima und seiner Tante. Wie allen Hinterbliebenen wurde auch Ihnen der Fundort gezeigt, ein sehr wichtiger Gang für die Verarbeitung der Trauer über die so plötzlich aus dem Leben gerissenen. Das Mitgefühl verband den Polizeibeamten mit dem Jungen und so war es für uns das Naheliegenste ihn zu fragen ob seine Familie den Jungen aufnehmen würde. Sie stimmten zu. Dorothea, Dimas neue "Mutter" mit voller Zuversicht von Anfang an, freut sich sehr wie gut ihre Söhne Dima bereits aufnahmen. 

Das er auch in der Muttersprache weiterhin kommunizieren kann, dazu sind einige von unserem Freundeskreis bereit ihn zu begleiten, ebenfalls wie zwei Schüler aus Ufa, die in Salem ein Stipendium für die 12. und 13. Klasse erhielten und Dima aus Ufa bereits hier her begleiteten.

Wir haben ausführlich mit Dima und seiner Sorgeberechtigten Tante Tatjana Bagina, sowie weiteren Bekannten seit Januar 2003 als wir von Dimas Schicksal erfuhren und die Bitte an uns gerichtet wurde ob Dima hier in Deutschland eine Schule besuchen könnten, die Frage erörtert wie es für Ihn sein könnte hier in der Fremde, am Ort wo seine Mutter gestorben ist, zu leben, seine Heimat in Baschkirien zu verlassen. Die Antwort ist vielschichtig und viel insgesamt positiv aus. Wir hoffen, dass er seine Heimat nicht vergessend hier ein neues Zuhause findet. Die Nähe ist für ihn nicht nur durch die vielen mitfühlenden Begegnungen da sondern ist es ist auch die Nähe zu dem Ort an dem seine Mutter starb. Wir, die Freunde unseres Kreises, gerade auch russisch sprechende, die Gastfamilie und die Lehrer der Schule Schloss Salem sind sehr zuversichtlich ihm entsprechend beistehen zu können und ihn gut auf seinen weiteren Lebensweg zu begleiten.

Die finanziellen Situation, eine Bitte:

Da  eine Entschädigung für Dima zu erwarten ist, die Schule Schloss Salem ebenfalls großes Entgegenkommen zeigt und wir hier bereits vielen Spendern und Bürgern für Dima auch ganz herzlich, besonders nun auch im Namen von Dima, danken können, wollen wir die weitere Spendenbereitschaft auf das Schicksal weiterer Hinterbliebener lenken und auch auf die Jugendförderung wie wir sie in unserem Freundeskreis nun bereits in einigen Beispielen realisierten (siehe Jugendbegegnungen). Wir versichern, dass weiterhin jede Spende mit dem Verwendungszweck Dima zu 100% ihm zugute kommt, was auch für eine Absicherung eines über 2 Jahre hinausgehenden Aufenthaltes sehr hilfreich ist. Die organisatorischen Auslagen bislang konnten dankenswerter weise durch freie Spenden gedeckt werden. 

Für das erst Jahr benötigte Gelder: 

Kostenaufstellung für D.Bagin als externer Schüler für das Schuljahr 2003/2004

monatlich

jährlich

Pensions- und Erziehungsgeld*1) 885 10620
Nebenkosten*2) 400 4800
Intensivunterricht Deutsch 800 6600 33 Schulwochen (10 Stunden wöchentlich à 20 Euro)
Gesamtkosten bezogen auf das erste Schuljahr 2085 22020

Auf die Aufnahmegebühr verzichtet die Schule aufgrund der besonderen Situation. Ebenso auf die Zahlung eines Nebenkosten und Sicherheitsvorschusses. Sie geht bis Ende des Schuljahres in den Vorschuss, dann kann Dimas finanzielle Sitation besser überblickt werden. Alle Bürgen, welche sich bisher meldeten werden dann auch über den konkreten Bedarf ihrer Bürgschaft informiert.

*1) Mit dem vereinbarten Pensions- und Erziehungsgeld sind die Kosten für Verpflegung und Unterbringung (einschließlich Waschen der Bettwäsche und Handtücher),Unterricht und Betreuung im Internat, die Teilnahme an den Diensten, Arbeitsgemeinschaften und Innungen, die Gesundheitsbetreuung und Pflege durch die Krankenschwester bei leichten Erkrankungen sowie die Versicherung der Schüler gegen Unfall, Feuer und Einbruchschäden abgegolten. Lehrbücher werden in gleichem Umfang wie an den Staatsschulen in Baden-Württemberg gestellt.

*2) Gesondert in Rechnung gestellt werden alle persönliche Auslagen der Schüler wie: Beschaffung der Schulkleidung, Waschen der persönlichen Wäsche und Kleidung, Arbeitsmittel für Unterricht, Werkunterricht und Innungen, Taschengeld, Telefongespräche, Reisekosten, ärztliche Behandlungen sowie die Auslagen der Schule für Einzelunterricht (Musikstunden, Förderunterricht, Ausbildung in besonderen Sportarten), für Ausflugs- und Freizeitsportfahrten, Theaterbesuche und dergleichen.)

Salem ist ein gemeinnütziges Unternehmen. Unter Einrechnung des staatlichen Zuschusses für einen Schüler (4000 Euro pro Jahr) entspricht der Zahlungssatz den tatsächlichen Kosten eines Schuljahres.

Die Kosten in privaten Internaten sind in Deutschland wesentlich günstiger als die von vom Jugendamt beschickten Erziehungseinrichtungen. Die Schule Schloss Salem wäre so gesehen für Dima in Deutschland nicht nur die Beste, sondern auch die günstigste Lösung, bezogen auf das erste Jahr in dem er intensiv Unterricht in Deutsch benötigt. Wenn die weitere Finanzierung dann schwierig wäre, könnte Dima in eine günstigere Schule wechseln und ab nächstes Jahr hätte er auch die gute Chance ein Stipendium der Schule Schloss Salem zu erhalten, sodass auch seine weitere Zukunft für uns lösbar erscheint. 

Die Gastfamilie nimmt Dima zunächst ebenfalls auf eigene Kosten auf.

Wir hoffen, das sich eine Lösung für Dima findet, welche ihm Sicherheit bis zum Abschluss einer Berufsausbildung gibt.


Die Entschädigungsfrage

wird erst nach dem Abschlußbericht der Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung BVU in Braunschweig konkreter angegangen. Dieser soll Ende Dezember 2003 nun endlich vorliegen. Sollte eine Fondlösung tatsächlich realisiert werden, könnte bis zum 2. Jahrestag eine Lösung vorliegen, ansonsten könnten sich die juristischen Auseinandersetzungen noch mehrere Jahre hinziehen. Abschlagszahlungen oder ähnliche erste Auszahlungen wie in Westeuropa üblich, haben die Hinterbliebenen aus Russland bis heute nicht erhalten. Ja selbst alle Flüge, am 4.7.02 und zum Jahrestag, haben Sie aus den Spenden von russischen Privatleuten und russischen Unternehmen sowie der baschkirischen Regierung selbst bezahlt, ebenso wie die Gedenkstätte an der Gräbern in Ufa, Kuraufenthalte in Kliniken und als Dank den deutschen Helfern für 125 Einsatzkräfte  eine komplette Reise inklusiv Flug für 10 Tage im Januar 2003 nach Baschkirien. Das Land Baden Württemberg, der Landkreis Bodensee die Gemeinde Owingen und die Stadt Überlingen trugen die Kosten für jeweils den Aufenthalt hier, am 4.7.02 und für den Besuch zum Jahrestag, zusätzlich zu den durch das Unglück direkt entstandenen Aufwendungen auch der Hilfsorganisationen.  Aus den Äußerungen der Skygide und deren Anwälte entnehmen wir, dass man im Falle von Dima mit einer maximalen Entschädigung in Höhe von ca. 70 000 Euro in die Verhandlungen geht. Der Anwalt Dimas hielte eine solche Summe für inakzeptabel. Der Freundeskreis und der Anwalt Dimas habe keinerlei Unterstützung für Dimas besondere Situation, sondern nur leere Absichtsäußerungen bislang erhalten bis wir und der Anwalt Dimas dieses unnütze hin und her jetzt abbrachen.


Aus dem Bericht des Rechtsanwaltes von Dima:

 Die Großmutter Nadeschda S. Bagina berichtete im Oktober 2002 für ihren Enkel:

Dmitrii ist der zwölfjährige Sohn meiner verstorbenen Tochter Olga, die obwohl schon pensionsberechtigt, ihre Tätigkeit als Flugbegleiterin bei der Baschkirian Airlines fortsetzten musste. Die ihr zugesprochene Rente hätte nicht für den Unterhalt der kleinen Familie, zu der auch ich gehörte, insbesondere aber nicht für eine angemessene Ausbildung ihres Sohnes Dima, ausgereicht.

Wenn seine Mama gearbeitet hat, blieb er zu Hause bei mir, seiner Großmutter.

Mit dem Unfall ist er Waise geworden und hatte außer seiner alten Großmutter niemanden, der für ihn sorgt. Ich habe zwar einen Sohn, aber der ist schwach und sehbehindert und kann sich nicht um Dima kümmern.Dmitrii hat seine Mutter verloren, den Menschen, der ihm am nächsten stand. Dimitrii fehlt es an Mutterwärme, Aufmerksamkeit und Fürsorge. Gesundheitliche Folgen: Dmitrii hat am 2. Juli 2002 meinen Zusammenbruch mit angesehen. Wir haben uns später im Fernsehen einen Bericht über die Katastrophe angesehen, und Dmitrii fing an laut zu weinen. Er hörte lange nicht auf, bis er ein Beruhigungsmedikament bekam. Mein Enkel erhielt einen Rehabilitationsaufenthalt in einem Sanatorium, wo er allein war. Ich musste vorher verschiedene Ämter aufsuchen und nahm Dima immer mit, weil ich ihn nicht alleine lassen wollte und konnte. Am Tag vor der Abfahrt musste ich zur Fürsorgerin vom Jugendamt. Auf dem Weg ging es Dima so schlecht, dass er sich mehrmals übergeben musste. Er brauchte dann noch ärztliche Hilfe und bekam an diesem Tag eine Infusion. Nach der Kur wurde Dima im staatlichen Krankenhaus für Psychiatrie behandelt. Jetzt ist mein Enkel leicht erregbar und reizbar, außerdem verschlossener als früher. Trotzdem will er nicht allein bleiben. Wenn er von der Schule zurück ist, muss ich immer zu Hause bei ihm bleiben. Finanzielle Folgen: Das Hauptproblem ist jetzt, die Schulausbildung von Dima sowie ein Studium und die Berufsausbildung weiterzuführen. Mit unseren kleinen Renten werden wir das auf keinen Fall finanzieren können.

Hinweis:

Nadeschda Semjonowna Bagina, die Großmutter von Dmitrii, ist am 28. Januar 2003 verstorben. Zu Dmitriis Vormund wurde am 20. März 2003 Tatjana Erikowna Bagina, die Ehefrau von Michail Alexandrowitsch Bagin  (Bruder des Absturzopfers Olga A. Bagina) bestellt. In deren Haushalt, einer Zwei-Zimmer-Wohnung, leben außerdem noch die beiden eigenen Kinder des Ehepaars Bagin. Einer der Söhne leistet zwar derzeit seinen Grundwehrdienst, kommt aber im Februar nächsten Jahres wieder nach Hause, um ein Studium aufzunehmen. Das Einkommen von Michail A. Bagin als Bauarbeiter ist gering. Frau Tatjana Bagina hat kein eigenes Einkommen. Aus diesen Gründen erwägt Tatjana E. Bagina, Dima in eine Kadettenschule zu geben, um für ihn zumindest eine ordentliche Ausbildung sicherzustellen. Für den eher häuslich orientierten Dima scheint jedoch derzeit eine militärische Laufbahn die denkbar schlechteste Berufswahl zu sein.


Kurzbiografie der Mutter erhalten über die Fluggesellschaft im Juli 2002:

Olga Alexandrowna Bagina,  Stewardess

Geboren am 03.02.1957 in der Stadt Ufa, Baschkirische ASSR. Fachschulbildung, Absolventin der Industriefachschule Ufa, Jahrgang 1976, Beruf –Technikerin. Sie arbeitete seit dem 10.11.1979 in der Fluggesellschaft „Baschkirische Fluglinien“ als Stewardess. Flugbegleiterin 2. Klasse. Gesamtflugzeit – 11546 Stunden. Sie hatte Flugerfahrungen auf internationalen Fluglinien. Für gewissenhafte Erfüllung ihrer Dienstpflichten wurde sie mehrmals ausgezeichnet. Familienstand – nicht verheiratet. Sohn – Dmitri Bagin, geboren 1990. Ihre Mutter, Nadeshda Semenowna Bagina, wohnt in der Stadt Ufa, Republik Baschkortostan. Sie ist Rentnerin.“